Was es bedeutet, als Hund in Italien geboren zu werden

 

Wenn ein Hund nicht das Glück hat, als Rassehund bei einem der wenigen seriösen Züchter geboren zu werden, hat er so gut wie keine Chance auf ein gutes Leben.
Entweder: Er kommt als Welpe einer streunenden Hündin auf die Welt.
Oder: Er wird gleich im Canile geboren.

 

Im ersten Fall bedeutet es, dass sowieso nicht alle Welpen des Wurfes überleben, da sehr wahrscheinlich schon die Mutter in einem bedauernswerten Zustand ist und ihre Welpen nicht anständig ernähren kann. Tragisch wird es dann, wenn die heranwachsenden Hunde sich selbst ernähren müssen, was nicht allen gelingt. Denn nicht alle haben das zweifelhafte Glück, in der Nähe einer Touristenhochburg geboren zu werden und wenigstens während der Urlaubssaison ausreichend Abfälle an den überfüllten Mülltonnen zu finden. Und sie müssen die „Säuberungsaktion“ der Gemeinde überleben, die vor Beginn der Saison fleißig Gift auslegt, um den heranströmenden Touristen nicht den Urlaub mit streunenden Hunden zu verderben.

 

Zu der ständigen Suche nach Nahrung kommt der Wassermangel während des heißen Sommers hinzu. Die Tire sind zudem übersät mit Zecken und Flöhen, wodurch sie sich teilweise tödliche Erkrankungen einfangen, die bei ärztlicher Versorgung kein Problem darstellen würden. Dass sie
durch und durch verwurmt sind versteht sich von selbst. Dazu kommt, dass sie ständig Gefahr laufen, von den Häschern der Gemeinden einge-fangen zu werden und auf Nimmerwiedersehen in einem schlimmen Canile verschwinden.

 

Einige Bewohner der ach so malerischen italienischen Dörfer haben auch eine besondere Art der Freizeitgestaltung gefunden und fahren des nachts friedlich schlafende Hunde auf Dorfplätzen tot, fangen im Feld Hunde, binden ihnen die Beine zusammen und zünden sie bei lebendigem Leib an oder stopfen gefundene Welpen in Plastiktüten und werfen sie in den Müll oder gleich ins Meer.

Die ganze Palette dieser Freundlichkeiten ist natürlich genauso beliebt bei Katzen.

 

Im zweiten Fall, wenn ein Welpe im Canile geboren wird, könnte man sagen: "Glück gehabt: jeden Tag Futter, nie Hunger, immer Wasser." Tja, das ist Ansichtssache. Ja, jeden Tag Futter, aber was für Futter….. und was für Wasser! Abgestanden und grün vor lauter Algen. Dafür werden die Boxen (je kleiner desto besser, denn so kann man mehr Hunde auf dem Gelände unterbringen, was mehr Geld bringt) jeden Tag zur Reinigung ausgespritzt. Das ist in Ordnung, werden Sie vielleicht denken, wenigstens sauber. Dass viele Hunde davor Angst haben, auch nass werden und im Winter bei Minusgraden mit dem Fell auf dem Betonboden festfrieren, haben Sie wahrscheinlich nicht bedacht...

 

Dass nach einer Änderung des Tierschutzgesetzes in Italien streunende Hunde (offiziell) nicht mehr getötet werden dürfen hat viele private Canile-Betreiber auf den Plan gerufen. Mittlerweile herrschen dort mafiöse Zustände. Die Gemeinden zahlen täglich pro Hund zwischen 2,00 und 7,00 Euro (Nord-/Südgefälle), ein großartiges, einträgliches Geschäft. An allem wird gespart: am Futter, am Personal und vor allem an tierärztlicher Versorgung. Die gibt es nämlich nicht. Hunde, die krank werden, siechen langsam unter Schmerzen bis zu ihrem Tod dahin. Manche lässt man tot noch ein paar Tage in der Zelle liegen. Dann kann man ein bisschen länger kassieren. Überall sieht man Hunde mit
großen Tumoren, tiefen Bisswunden; denn es wird nicht lange gefackelt, die Zellen werden besetzt, wie es kommt. Nicht selten werden schwächere oder kleinere Hunde von Mitinsassen totgebissen.

 

In Anbetracht der schlimmen Zustände in diesen Canili werden sie von italienischen Tierschützern LAGER genannt, in Anlehnung an die Konzentrationslager im Dritten Reich. Besucher sind nicht erwünscht, Adoptionen genauso wenig, denn auch das schmälert die Einnahmen. In einige dieser Canile-Lager kommt man überhaupt nicht hinein, in andere nur mit Polizeischutz. Drohungen, bis hin zu Morddrohungen, an die Tierschützer, zerstochene Autoreifen, demolierte Autos – mit all dem haben die italienischen Tierschützer zu kämpfen.

 

Wenn wir auch gegen diese Gewalt nichts tun können, so versuchen wir wenigstens, so viele dieser armen, auf Lebenszeit lebendig eingemauerten, bedauernswerten Kreaturen wie möglich aus dieser Hölle herauszuholen. Und wir versuchen, möglichst viele Streuner davor zu bewahren, überhaupt in diese fürchterlichen Hunde-Lager zu kommen.

 

Wir danken jedem von euch aus tiefstem Herzen, der uns unterstützt und/oder einem dieser armen Wesen ein liebevolles Zuhause schenkt.